Lange erwartet, endlich da: Joomla 4

Joomla hat in den letzten Jahren gegenüber WordPress bei der Nutzung an Boden verloren. Es war einst deutlich häufiger verwendet als WordPress.

Brüche entstanden bei Migrationen zu Zeiten von Joomla 2 und 3. Oft musste man von vorne anfangen.

Mittlerweile funktionieren Migrationen nahtloser.

Ist Joomla eine Alternative zu WordPress? Beide sind Allzweck-Content-Management-Systeme.

Ja, Joomla kann eine Alternative sein. Denn wie es scheint, geht WordPress mit der „Full Site Editing“-Idee mehr und mehr weg von der reinen inhalteorientierten Blog-Struktur. WordPress denkt zunehmend in Blöcken, die sich alle unterschiedlich gestalten und idealerweise an den verschiedensten Stellen auf der Website verwenden lassen. Neben Beiträgen und Seiten gibt es in WordPress nun wiederverwendbare Blöcke, Kombinationen davon und auch Vorlagen.

Joomla bleibt offensichtlich bei der systematischen Präsentation von Artikeln, die über eine zentrale EInstiegsseite zugänglich sind. So hat die mit Joomla erzeugte Website typischerweise Magazin- und Newscharakter. Durch entsprechende Templates lassen sich die Anmutungen natürlich entsprechend verändern. Doch nach wie vor erscheint Joomla ideal für Webseitenbetreiber, die Content in Stile von textbasierten Artikeln präsentieren und zugänglich machen wollen.

Von jeher war Joomla auf die Erstellung von Artikel, die aus unterschiedlichen Quellen stammen oder von unterschiedlichen Autoren mit verschiedenen Rollen und Berechtigungen erstellt werden. Dieses Prinzip bleibt auch in Version 4 erhalten.

https://www.joomla.de/news/joomla/747-joomla-4-und-joomla-3-10-sind-da

Migrationen von einer Version auf die höhere war oft ein Schmerzpunkt bei Joomla-Betreibern. Diesmal ist beim Wechsel der Hauptversion von 3 auf 4 für eine einfachere Migration gesorgt. Bei Joomla heißt es:

Der erste Schritt: Aktualisiere deine Seite auf Joomla 3.10.
Danach stellst du den Update-Kanal auf Joomla! Next.
Die neue Joomla 3.10 Komponente „Kompatibilitätsprüfung“ (Pre-Update Check) zeigt dir, welche Erweiterungen mit Joomla 4.0 kompatibel sind (toll, nicht wahr?).

https://www.joomla.de/news/joomla/747-joomla-4-und-joomla-3-10-sind-da

Joomla verspricht einiges an Verbesserungen mit der neuen Version:

Joomla hat den Medienmanager und den Editor TinyMCE überarbeitet. Nun gibt es anpassbare E-Mail-Vorlagen, die verwendet werden, wenn aus Joomla heraus Mails generiert werden. Layout, Kontrast und Struktur des Backends sollen für Barrierefreiheit sorgen. Die integrierte Suche soll schneller nun sein. Architektur und Code wurden auf Sicherheit getrimmt. Die damit erzeugten Websites sollen suchmaschinenfreundlicher sein und schneller laden.

Mit der Seitenladegeschwindigkeit trifft Joomla WordPress möglicherweise an einem wunden Punkt. Ohne zusätzliche Maßnahmen lassen sich WordPress Sites vergleichsweise lange Zeit ehe sie im Browserfenster erscheinen. SEO allerdings war mit Joomla aufgrund der standardmäßig ausgegebenen URLs eine extra Herausforderung.

Dashboard von Joomla 4

Joomla hat durch die Vormachtstellung von WordPress gelitten. Laut des Analyseunternehmens w3techs.com hat Joomla noch einen Anteil von 1,9 Prozent an allen Websites weltweit im August 2021. Vor einem Jahr waren es noch 2,3 Prozent. WordPress hingegen kommt mittlerweile auf über 40 Prozent. https://w3techs.com/technologies/history_overview/content_management/all

Diese Ungleichverteilung wirkt sich auf die schiere Menge der verfügbaren Erweiterungen oder Templates aus. Einen kuratierten Bereich, der Erweiterungen, Module oder Templates auffinden lässt, sucht man bei Joomla vergebens. Auch ist die Verfügbarkeit von kostenlosen Templates viel geringer. Was man im Web so finden kann, sind Templates, die dann mindestens so um die 30 bis 40 Euro kosten. Allerdings wird das mitgelieferte Template schon weiterhelfen.

Das neue Joomla 4 kommt mit einem Template namens „Cassiopeia“: Schnörkellos, straight forward auf Basis von Bootstrap 5. Man kann es modifizieren, erweitern, anpassen. Template-Overrides heißt das Zauberwort. Somit kann man in das Template eingreifen, die Darstellung gezielt verändern, allerdings geschieht das auf Codeebene. Dies erfordert einiges an Erfahrung und Know How. Mit einfachem Klicken kommt man hier nicht mehr weiter.

Wer noch einen Schritt weiter gehen will und ein eigenes Template herstellen möchte, muss sich eine Entwicklungsumgebung schaffen, die nicht jedermanns Sache sein wird: Der Composer (PHP-Paketverwaltung) und Node.js zum Compilieren sind nötig, so im Magazin „Entwickler“.

Joomla trennt Frontend (was der allgemeine User im offenen Web sieht) und Backend (exklusiv für Admins, Autoren, Beitragsersteller…) traditionell sehr strikt. Das geht soweit, dass dem Backend eine eigenes Template zugewiesen werden kann.

Joomla 4 mit Standardtemplate Cassiopeia

Allerdings ist es unfair, Joomla eins zu eins mit WordPress zu vergleichen. Hinter WordPress stehen mehr Ressourcen, mehr Struktur, Entwickler und Unterstützer, und das weltweit mit Schwerpunkt in den USA. Die Wurzeln von Joomla liegen weniger tief. Joomla geht auf Mambo zurück und nach Querelen mit dem australischen Eigentümer Miro musste man sich in den frühen 2000er Jahren erst freischaufeln.

In dieser Zeit jedoch, mit den Versionen 1.5 oder 2.5, hat Joomla jedoch eine große Nutzerschaft gewonnen. WordPress war damals ein CMS für Blogger. Joomla war vergleichbar einfach in der Handhabung, bediente die damals vorherrschende Vorstellung einer Website in Form eines Portals und stellte wesentlich weniger Know-How-Ansprüche als andere Open-Source-CMS, die auf PHP basieren, wie Typo3 oder Drupal. Weil E-Commerce mit Joomla möglich war, fand es starken Zuspruch in der semiprofessionellen und professionellen Webdesigner- und Webentwicklerszene.

Viele der tragenden Personen sitzen in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, einige in Kenia, Somalia, Uganda. https://volunteers.joomla.org/board-of-directors . Im Unterschied zu WordPress scheint es bei Joomla keinen starken kommerziellen Arm zu geben.

Joomla 4 mit TinyMCE

Es gibt Sponsoren, die Joomla unterstützen, doch keine proprietäre Umsetzung wie wordpress.com. Dies ist ein Angebot von Automattic Inc., das der einstige Gründer von WordPress betreibt. Die Verzahnung zwischen der Open-Source-Entwicklung und der kommerziellen Anwendung ist eng.

Das dürfte einiges an finanziellen Mitteln bereitstellen, die in die Weiterentwicklung des Kerncodes und Zusatzkomponenten fließen kann. Das erleichtert die Umsetzung einiger Visionen auch gegen einzelne Widerstände in der Community freiwilliger Unterstützer. Ein solcher Umsatzstrom dürfte bei Joomla fehlen.

Mit goneo-clickStart liefern wir zur Zeit noch die Version 3.9.28. Das Release 3.10 stellt die Brücke her, mit der sich Joomla 3.10-Inhalte auf Joomla 4.0 migrieren lassen sollen. Die eigene Installation sollte aber dank der Setuproutine ohne Probleme funktionieren. Hilfreich ist es, vor dem Start der Installation im goneo-Kundencenter eine Datenbank vorzubereiten, heißt: die Angaben für Datenbankname bzw. -username sowie Passwort parat zu haben.

Fazit

Sicher ist das neue Release eine Gelegenheit, sich wieder mit Joomla zu beschäftigen. WordPress ist der Platzhirsch, aber niemand kann ein Web wollen, das im Prinzip nur aus WordPress besteht. WordPress hat ebenfalls eine Agenda und eine Roadmap. Wir erleben heuet schon, dass viele Verzahnungen mit dem kommerziellen Arm, Automattic, gegeben sind. Das geht bei Jetpack los, hört bei Woocommerce auf.

Schade ist, dass Joomla den „Ease of use“-Weg nicht bis auf die Ebene der Seitenbetreiber weiterverfolgt hat. Wer Content erstellt, wird mit dem Backend sehr gut zurecht kommen. Positiv ist auch, dass im Core viele Features abgebildet sind, so dass keine Erweiterungsarie gesungen werden muss. So ist Mehrsprachigkeit von Haus inkludiert. Wer Anpassungen des Templates machen will, muss dann zu Webdesignern gehen. Das hält die Webagenturen im Geschäft, verteuert aber den (professionellen) Start. Alternativ dazu kann man natürlich ein Template kaufen und einfach nur mit Inhalt füllen.

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