Google Plus schließt – Inhalte jetzt sichern und selbst hosten

Am 2.April 2019 ist Schluss mit Google Plus. Jetzt Inhalte sichern.
Wohin damit?
Vorschlag: Nextcloud

Nicht zum ersten Mal streicht ein soziales Netzwerk die Segel. MySpace ist möglicherweise das prominenteste Beispiele dafür, dass Netzwerke sterben können, doch ist es nur eines einer ganzen Reihe: Wer erinnert sich noch an StudiVZ, SchülerVZ, MeinVZ oder an Lokalisten oder an Shortview? Vielleicht gerät auch G+, wie man Google Plus auch nennt, schon bald in Vergessenheit. Nun sollte man schleunigst seine Daten exportieren. Wie das funktioniert und wie man mit den geretteten Dateien umgehen könnte, beschreiben wir hier.

Hohe Erwartungen – man wollte Facebook etwas entgegen setzen

Google Plus wurde mit recht großem Aufwand entwickelt und gestartet. Einer der Gründer, Google-CEO Larry Page, holte das große Team ganz in die Nähe seines Büros, um nah an der Entwicklung zu sein. Geholfen hat das nicht, zumindest nicht auf lange Sicht, auch wenn die Startphase vielversprechend war.

Innerhalb kurzer Zeit haben sich Millionen an Nutzern registriert. Google Plus war das am schnellsten wachsende Netzwerk der Geschichte. Viele sehen das Ausscheiden des Entwicklungschefs Vic Gundotra 2014 als Wendepunkt. Interessante Einblicke gibt das Google Watch Blog mit einem Bericht über die Erfahrungen eines Designers, Morgan Knutson, aus der Anfangszeit der Entwicklung des Netzwerks. Knutson berichtet von einem Klima der Angst, das der Entwicklungschef geschürt habe, Ineffizienz und Frustration im Entwicklungsteam.

Geld, Macht und Zwangsintegration haben letztlich doch nicht gereicht

Google Plus wurde intern wohl mit Macht und Geld durchgedrückt, musste fast zwangsweise in nahezu jeden Dienst integriert werden, ob dies sinnvoll war oder nicht. Wer das Drama aus der Sicht von Knutson komplett lesen möchte (engl.), findet hier die ganze Geschichte:

https://threadreaderapp.com/thread/1049523067506966529.html

Gerade in der Zeit vor 2014 dürften viele User auch hierzulande Google Plus aktiv genutzt haben. Auch in Deutschland hat Google erkennen lassen, dass das unausgesprochene Ziel war, Facebook den Rang als Social Community Nummer ein zu verdrängen. Da Google im Suchmaschinenmarkt unangefochten war (und ist), versprachen sich viele Webseitenbetreiber und SEOs direkte oder indirekte Vorteile, wenn sie sich bei G+ engagieren.

Und tatsächlich hat Google für die Suchergebnisseiten Informationen verwendet, die in Google Plus von Usern hinterlegt wurden. Insbesondere konnte man als Content Creator beziehungsweise Autor eines Web-Beitrags das Google-Plus-Profil in den Metatags hinterlegen, was dazu führte, dass im Falle eines Treffers das Profilfoto auf der Suchergebnisseite auftauchte.

Viele Millionen Nutzer, wenig Aktivität – auch nicht von Google-Leuten

Betrachtet man ausschließlich die Zahl der registrierten Nutzer, müsste man G+ Erfolg bescheinigen. Entscheidend ist jedoch, wie viele davon tatsächlich aktiv sind. Nach diversen Quellen war absehbar, dass Google Plus kaum genutzt wird. Der Begriff „Geisterstadt“ prägt sich. Unter anderem auch mit der niedrigen Nutzung begründet Google auch die Schließung des Dienstes.

2012 170 Mio
2013 702 Mio
20141.513 Mio
20152.427 Mio
20163.056 Mio
20173.359 Mio

Quelle: Statista, registrierte Nutzer weltweit 
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/215589/umfrage/prognose-zu-den-weltweiten-nutzerzahlen-von-google-plus/

Das Google Watch Blog hat sich Anfang 2018 die Mühe gemacht, nachzusehen, ob und wie intensiv leitende Google-Mitarbeiter Google Plus noch nutzen. Zu dieser Zeit hatte Google noch eine „brandneue“ Version von Google Plus präsentiert und keinen Zweifel an der Fortführung des Produkts aufkommen lassen. Das Ergebnis der Recherche war jedoch frappierend. Die jüngsten Beiträge von Google-Oberen in G+ waren viele Monate bis einige Jahre alt. Google-Leute mochten ihr eigenes Produkt nicht nutzen. Gleiches gilt auch für die diversen Abteilungen, die einst Infos und News über andere Dienste in Google Plus verbreitet haben.

Schließungstermin 2.April 2019

In der Mail, mit der Google Plus die Schließung zum 2.April 2019 ankündigt, stehen auch Informationen, wie man Inhalte, die man in das Netzwerk eingestellt hat, exportieren kann. In dieser Mail findet sich ein Link zu takegout.google.com . Dies ist der Dienst, mit dem sich Daten aus allerlei Google-Produkten exportieren lassen. Die Schließung betrifft aktuell die „Privatnutzer“. User, die die Google Suite nutzen, sind zunächst offenbar nicht betroffen. In diesem Produkt, das 4 bis 23 Euro pro Monat kostet, sind Kollaborationsfunktionen integtriert, die offenbar auch Google-Plus-Möglichkeiten mit einschließen. Dieses Angebot, das sich ein kleinere Firmen richtet, scheint noch ausgebaut zu werden.

Daten aus Google Plus exportieren

Google stellt die wesentliche usergenerierten Inhalte zum Download bereit. So sieht die Oberfläche des dazugehörigen Tools aus:

Takeout Google Screenshot
So sieht das Export Tool Takeout von Google aus

Im Verlauf lässt sich auswählen, welche Teile oder Inhalte exportiert werden sollen. Google Plus hat sich ja auf verschiedene Arten integriert, auch in Webseiten mit der G+ Schaltfläche. Daneben gibt es die Posts, die man als Nutzer veröffentlicht hat. Dies umfasst den sogenannten „Stream“ mit Text-Beiträgen, Kommentaren, den +1-Empfehlungen, Sammlungen, eigene oder fremde Veranstaltungen sowie eigene Bilder zu Beiträgen und Kommentaren. Zudem sind womöglich auch die „Kreise“ (Circles) wichtig, letztlich also Kontaktdaten zu anderen Nutzern. Praktischerweise werden die Daten im vCard-Format ausgegeben. Die anderen meist als HTML.

Die Archiverstellung dauert im Selbsttest einige Zeit. Offenbar ist der Andrang derzeit groß und die Warteschlange lang. Große Archive können in 2-GB-Paketen aufgeteilt werden.

Google liefert webfreundliche Archivdateien

Die Ausgabe in das Archiv erfolgt also unter Verwendung von webfreundlichen Formaten. Schaut man seine eigenen Google-Plus-Historie einmal an – immerhin kann sie ja acht Jahre zurückreichen – stellt man fest, dass der eine oder andere Inhalt doch aufbewahrenswert ist. Was tun?

Natürlich bietet es sich an, Texte, Bilder oder Videos weiter als Archiv auf einer eigenen Festplatte zu speichern. Da man diese Inhalte einst erstellt, um sie öffentlich oder halböffentlich zu zeigen, ist man als User vielleicht geneigt, eine andere Plattform zu finden. Hier empfehlen wir als Webhoster eine eigene Hostingumgebung, einen Platz auf einem günstigen, geteilten Server, wie zum Beispiel auf dem goneo Webhosting Start Paket, das nur 2,99 Euro im Monat kostet. Mehr Infos zu Webhosting Start und anderen Hosting-Produkten hier.

Als Rahmensystem empfiehlt sich hier die Open Source Anwendung NextCloud (eine Abspaltung des schon etwas länger verfügbaren onwCloud-Projekts). Warum legen wir die Nutzung von NextCloud in diesem Fall nahe?

Föderation der sozialen Netzwerke

Nextcloud wird Teil der Initiative „Federated Social Network“, auch bekannt geworden als „Fediverse“. Die nicht unbedeutende Electronic Frontier Foundation engagiert sich ebenfalls dafür. Dabei handelt es sich um dezentrale, eigenverwaltete Netzwerke mit vielen selbständigen Knoten wie Mastodon, Friendica, Diaspora, MediaGoblin. Das Austauschprotokoll, das auch in NextCloud verwendbar ist, nennt sich ActivityPub.

Damit werden Aktionen möglich, die man von kommerziellen Netzwerken wie eben Google Plus oder Facebook kennt: Man kann Inhalte teilen, auf Inhalte, denen man folgt, reagieren und so weiter. Zudem generiert sich eine Art Newsfeed, der die entsprechenden Aktivitäten der gefolgten Nutzer widerspiegelt. Der große Unterschied ist, dass auch die so geteilten Inhalte bei jedem auf dem Server verbleiben, der sie teilt. Als jemand, der teilt, behält man die Kontrolle.

Nextcloud verfügt über eine komfortable Weboberfläche. Es gibt allerdings auch Apps für IOS und Android sowie Synchronisationstools für Windows, Linux und MacOS.

Allerdings befindet sich die Integration bei Nextcloud mit der Social-Erweiterung noch im Alphastadium. Die zugehörige Github-Seite berichtet aktuell von 60 Bugs. Man muss etwas Geduld mitbringen. Doch hier ist nach unserer Einschätzung in Zukunft mehr zu erwarten.

Nextcloud lässt sich bei goneo mit dem hauseigenen clickStart-Feature schnell und unkompliziert aufsetzen. Die Erweiterung fügt man mittels Marketplace hinzu, falls man diese jetzt schon ausprobieren möchte. In anderen, vergleichbaren L.A.M.P.-Umgebungen ist die Installation ebenfalls problemlos möglich.

Mit einer Erweiterung, die sich allerdings noch in der Alphaphase befindet, lassen sich dezentrale Netzwerke die Friendica und Mastadon in NetxCloud einbinden.

Ist Nextcloud installiert, kann man die aus Google Plus exportierten Inhalte einfügen. Das kann man im Falle einzelner Dateien wie Bilder, Videos oder anderer Dokumente mit der Weboberfläche bewerkstelligen oder mit einem der vielen Tools, die sich in Windows, Linux oder MacOS einklinken lassen. Auch für Android und IOS gibt es kostenlose oder sehr günstige Apps.

Das Google-Archiv liefert als G+-Export auch die in Google Plus erstellten Beiträge als einfache, einzelne HTML-Dateien. Diese Dateien könnte man, so wie sind sind, per FTP oder auch mit Nextcloud hochladen, um sich so sein Google-Plus-Museum einzurichten.

Dezentrale Netzwerke: Komplexität und kritische Masse als Herausforderungen

Die Kritik an dezentralen Netzwerken speist sich oft aus der Erfahrung, dass die Verwaltung dieser Netzwerke komplizierter sei. Dies ist nicht von der Hand zu weisen, weil es eben viele Knoten gibt und schon die Adressierung eines Users komplexer ist (die Adresse ist naturgemäß länger, weil Username und Knotenname kommuniziert werden müssen). Normale User mögen keine Komplexität und haben eher Unbehagen vor kompliziert und unbekannt anmutenden Zeichenketten. Zu viele Betrugs- und Manipulierungsversuche hat man eben schon erlebt.

Außerdem seien die Netzwerkeffekte deutlich geringer: Die Masse der User nutzt Facebook oder Instagram. Auch das wird stimmen, allerdings beobachtet man zum Beispiel bei Mastadon ähnliche Wachstumsraten wie seinerzeit bei Twitter in frühen Phasen.

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